Der sprechende Akku

Für alle die jetzt glauben ich habe einen neuen Akku erfunden… Nein. Es geht ums Thema Stottern 🙂

 

Ich spreche hier gezielt die Leute an die in einer Behandlung oder sogar Therapie sind. Es kann aber auch für jeden anderen als Vorlage dienen sich und sein Sprechen zu verändern.

Was ist mit Akku gemeint?

Dir ist bestimmt schon aufgefallen das dein Smartphone abends geladen werden muss weil der Akku leer ist. Genauso ist das wenn du versuchst etwas schweres zu tragen. Irgendwann kommt der Punkt wo du nicht mehr kannst. Dein Akku geht leer. Diesen Akku gibt´s auch beim Sprechen. Du versuchst den Tag über dein Sprechen zu verändern um über den Tag zu kommen. Aber irgendwann fehlt dir die Kraft, der Mut und die Lust. Dein Akku neigt sich dem Ende zu. Aber das muss nichts schlechtes heißen, sondern ist ein Zeichen dafür das du dich ans Ladegerät hängen musst.

Wie lade ich meinen Sprech-Akku wieder auf?

Dein Akku kannst du nicht so aufladen wie beim Smartphone. Vielmehr musst du die Energie selbst wieder herstellen. Am besten geht das wenn du Zeit für dich hast. Wenn du dich einfach mal fallen lassen kannst, und nur das machst was dich wieder aufpeppelt.

Ich zb lade meinen Akku durch gezielte Pausen auf. Ich merke wenn meine Technik anfängt zu bröckeln. Ich erkenne aber auch wie weit ich mit dem Akku noch Sprechen kann. Wenn er anfängt zu bröckeln, schaue ich in welcher Situation ich aktuell Stecke. Auf der Arbeit ist es schwierig zu sagen: „So ich gehe, ich muss mein Akku aufladen“. Vielmehr pass ich meinen Sprechanteil so an, das ich die Situation noch super meister aber nichts auslasse was die Situation erfordert. Sobald ich dann die Möglichkeit habe, mich zurück zu ziehen, nutze ich diese Situation so gut es geht auch aus. Ich spreche nicht und lasse mich komplett fallen. Dies ermöglicht mir einen kleinen Boost.

Anders ist es wenn ich in der Werkstatt bin. Es ist eine sehr ruhige Umgebung und es sind vertraute Personen um mich rum. In dem Fall sollte von Anfang an offen mit dem Thema umgegangen sein. So kann man frei Sprechen ohne Ängste und Vorwürfe zu haben.

Je nachdem wie weit mein Akku leer ist, nutze ich auch die Täglichen Pausen. Oftmals nutze ich auch die Kraft des Power-Napping. Für all die die nicht wissen was ich meine… Sucht mal im Netz danach.

 

Kann man den Akku auch Trainieren?

Gaaanz anders sieht es zuhause aus. Zuhause weiß jeder am besten Bescheid. Man kann nicht nur den Akku aufladen und sich fallen lassen, sondern man kann den Akku auch trainieren. Der unterschied zwischen Aufladen und Trainieren besteht darin, das man sich selbst etwas verändert. Man kann Selbstbewusstsein, Mut und Stärke aufbauen. Unbekannte Situationen kann man besprechen, aber auch in ruhe erkennen, verarbeiten und meistern. Es erlaubt viel mehr zu verändern als wie in reelle Situationen in der Öffentlichkeit.

 

Abschluss

Ihr seht mit kleinen Dingen kann man große Sachen bewirken. Wenn man Situationen versucht zu erfassen, zu verstehen und sie dann verändert, kann man sein ganzes Leben anpassen. Es erfordert aber viel Energie. Das muss der Akku hergeben. Um die Beiträge klein aber ausführlich zu halten, werde ich daraus mehrere Teile machen. So kann man Schritt für Schritt arbeiten.

Was ist Stottern? Gibt es Unterschiede im Stottern?

Bestimmt hast du schon mal einen Stotterer gesehen bzw. eher gehört. Und bestimmt hast du hier und da gewisse Fragen. Wieso Stottert er? Warum ist des so? Ist das nicht anstrengend? Wie hällt er das aus?

Das sind eigentlich so die klassischen Fragen die ein nicht Betroffener hat. Oftmals ist es auch so das diese Problematik nicht als Stottern anerkannt wird, weil sie in dem Moment nicht zu dem klassischen Bild passt. Dies war zb. bei mir oft der Fall.

Um mal ein bisschen Klarheit rein zu bringen, möchte ich euch ein paar Fragen beantworten. Wichtig ist das, dass Bild des Stotterers, nicht gleichgesetzt werden kann mit allen Stotterern. Vielmehr ist jeder Stotterer für sich einzigartig. Was sich spätestens in der Begleitsymptomatik bemerkbar macht.
Was Begleitsymptomatiken sind und worin sie sich unterscheiden erkläre ich weiter unten.

Was ist Stottern? Wieso Stottert man?
An sich ist Stottern das wiederholen von Wörtern bzw Lauten. Das was man eigentlich so hört. Das Problem was ein Stotterer in dem Moment hat, ist das die Koordination der Muskeln die zum Sprechen gebraucht werden, falsch getaktet werden. Ein Stotterer merkt es. Kann es aber nicht beeinflussen und reagiert reflexartig drauf.
Also das Stottern an sich entsteht durch eine fehlerhafte Koordination. Diese fehlerhafte Koordination ist neurologisch bedingt. Es ist dementsprechend nicht Heilbar. In so Situationen ist ein Stotterer seinem Sprechen gnadenlos ausgeliefert. Er reagiert so wie er für sich in dieser Situation am unauffälligsten und einfachsten reagieren kann.

Wie fühlt sich ein Stotterer? Wie hält er das aus?
Diese Frage kann man nicht für alle beantworten. Vielmehr ist es eine Sache eines selben. Erfahrungsgemäß ist es logischerweise eine schwierige Angelegenheit. Stottern ist ein schwieriges Problem was einem im Leben sehr einschränken kann. Durchaus ist es möglich das Stottern das ganze Leben einnimmt und schwerwiegende Psychologische Folgen mit sich bringt. Das Problem ist das das Stottern für andere nur hörbar ist, jedoch ist das zusätzliche Problem in einem versteckt.
Ein Stotterer hat im Prinzip keine andere Wahl als es auszuhalten. Um dies zu Kompensieren, entwickeln nahezu alle Stotterer ihre eigene Symptomatik die es in Situationen das Sprechen erleichtern. Meist ist dadurch ein Rücksprung vom Sozialen Umfeld und das Minimieren des Sprachanteils eine Folge davon.

Was sind Begleitsymptomatiken? Welche Unterschiede gibt es?
Begleitsymptomatiken sind Merkmale die ein Resultat aus dem eigentlichen Stotter-Bild und deren Psychologischen Verhalten entstehen. Auf gut Deutsch: Eine automatische Entwicklung des Stotterbildes aufgrund des eigenen Menschen.
Begleitsymptomatiken werden oft als hilfreich empfunden. Sie helfen in schwierigen Situationen das gewünschte Wort förmlich auszuspucken.
Klassiker sind das typische Kopfnicken nach hinten, Grimassen schneiden sowie harte Körperliche Anspannung. Aber auch vermeidung, unverständliche Sätze und aufschiebungen mit Füllwörtern: „Ähm, Also, Ja Möchte bitte, ähm, also 3 also also 3 Br..Br.. also Ähm Brötchen.“ Sind Klassiker.
Im Bruchteil einer Sekunde erkennt ein Stotterer wann er wo wie stark Stottern muss, und sucht demzufolge den möglichst leichten Weg um möglichst wenig Rückfragen zu erhalten.
Darunter gibts tausende verschiedene Versionen und Arten. Sie unterschieden sich meist schon je Stotterer. Bei mir war es das komplette anspannen des Gesichtes sowie das Hastische bewegen des kompletten Oberkörpers.

 

Abschluss
Ich denke mal es ist ersichtlich das das Problem Stottern stark variieren kann und nicht nur das ist, was man von Außen sieht. Vielmehr steckt der größte Teil im inneren und hat auch einen Psychologischen Aspekt. Dennoch muss gesagt werden dass: Stottern zwar nicht heilbar ist, aber so verändert werden kann, das man sich selbst akzeptiert und damit Leben kann. Stottern ist nicht immer ein Problem sondern vielmehr eine Besonderheit. Man muss sie selbst Verstehen und selber schauen ob man damit Leben kann… Im Normalfall geht das