Sozialer Fang und der Weg zur Selbständigkeit

Mansche Stotterer kennen es. Sie wollen unabhängig werden, sehnen sich nach „Ruhe“ und kommen Sprachlich, trotz Therapieansatz, nicht weiter. Sie können sich zwar Wohl fühlen aber… irgendwie fehlt etwas…

Mir ging es auch mal so. Ich hatte ja die Therapie gemacht und bin immer noch der Meinung es war ne gute Entscheidung, Jedoch blieb ich immer an einem Punkt hängen wo ich nicht weiter kam.

In der damaligen Zeit war ich schon mehrfach ausgezogen, wenn auch nicht immer auf nem super Weg aber… es veränderte sich hier und da etwas. Selbst mein damaliger Logopäde unterstützte meinen Auszug obwohl es nen unschöner Weg war. Er sprach gezielt davon mich dem Sozialen Fang anzunehmen. Ich hab das erst nicht begriffen. Ich mein es gab bessere Zeiten wo man an Auszug denken sollte aber… er war der Meinung ich solle es dennoch machen.

Ich habe es damals nicht gemacht. Meine Familie war mir wichtiger.

Wir schreiben mittlerweile das Jahr 2017 und es ist ein Jahr der größten Erlebnisse.
Ich bin vor 2 Monaten ausgezogen. Kontakt mit meiner Familie habe ich immer noch aber ich habe den Sozialen Fang abgelegt. Ich werde zu „Ich“ und habe meine Ruhe gefunden. Natürlich erinnerte ich mich an die Worte meines damaligen Logopäden und… ich hab begriffen was er damit meinte. Der Auszug half mir eine Ruhe zu finden. Meinen eigenen Rhythmus aufzubauen und ich kann das tun was ich tun möchte. Ich bin frei. Ich muss nicht Rede und Antwort stehen sondern bin mein eigener Cheff in meinem eigenen Heim. Es war schon in den ersten Wochen merkbar das einem die Ruhe gut tut. Es geht ins Unterbewusstsein über und man steht morgens nicht immer mit dem Gedanken „Jetzt wird was erwartet“ auf, sondern, zumindest ist es bei mir so, „Ich kann tun und lassen was ich möchte“. Ich spreche eher weniger in Technik. Nicht weil ich es nicht kann sondern, weil ich mich, so wie es aktuell ist, wohl fühle. Es ist nicht mehr ein Störfaktor sondern ein Teil meines Lebens. Die Stottergefühle sind zwar stark aber… seit mehr als 3 Monaten ist mein Sprechen auch ohne Therapie sehr stabil.

Es ist echt ein Wunder wie stark sich ein Sprachmuster dadurch verändern kann, und welche Auswirkungen so etwas auf den ganzen Körper hat. Mir geht es echt gut und ich kann einem Stotterer einen Auszug nur nahe legen. Aber… niemals überstürzt. Die Familie sollte immer ein wichtiger Faktor im Leben bleiben. Nur fürs Sprechen bin ich ja auch nicht ausgezogen. Ich Erzähle lediglich was bei dem ein oder anderen eintreten kann. Dieses Phänomen gibt es sogar relativ oft.

Aufgrund dessen versuche ich auch hier zu verstehen was dahinter Steckt. Ich werde verschiedene Logopädische Kliniken um Rat bitten um mehr darüber zu schreiben. Aber auch ihr könnt mich kontaktieren und über eure Erlebnisse schreiben. Strebt ihr ein Auszug an? Seit ihr Ausgezogen? Was habt ihr so erlebt?

Ein Stotterer zeigt sich in der Rapperszene

Hallo Leute

Ich möchte euch heute jemanden Vorstellen. Sein Künstlername ist DNS. Ich kenne ihn persönlich durch die Offizielle Nachbetreuung und er war einer von wenigen die ein verstecktes Talent haben: Er Rappt schon etwas länger und zeichnet sich dadurch aus. Damals wusste ich zwar nix davon, aber um so interessanter war die Überraschung.

 

Er kommt aus dem bekannten Luxemburg und hat von der Bonner Stottertherapie erfahren. Dort habe ich ihn selber kennen gelernt und kann aus Überzeugung sagen das er ein gutmütiger und barmherziger Mensch ist. Das Rappen begann durch seine Clique. Man zeigte ihm was und er lernte schnell was draus zu machen. Auch ein Teil seiner Clique habe ich kennen gelernt.

Man kann echt sagen, es ist ein Wahnsinns zusammen halt unter den „Brüdern“ da und dort ist er auch echt gut aufgehoben. Trotz seiner Barriere wurde er lieb aufgenommen und ist seither best Friends mit ihnen. Sie zeigen vollstes Verständnis und unterstützen ihn auch. So wie beim Video.

Es ist nicht nur ein Video… es ist „Das Video“ was zeigen soll was er und Stotterer im allgemeinen durchmachen mussten und verarbeitet sein Leid, seine Erfahrung und seine Stärke durch das Rappen. Er zeigt auch welche Stärken er hat. Jeder kennt bestimmt jemanden der sich mal geritzt hat oder Drogen quasi „brauchte“. Auch das war nie ein Thema bei ihm. Er mag vielleicht gehänselt worden sein, aber er hatte genug Kraft um niemals aufzugeben. Nein er machte weiter und suchte sich Hilfe. Die bekam er in Bonn.

Ich habe nach wie vor Kontakt zu ihm, und werde ihn auch aufrecht erhalten… obwohl eine weite Strecke uns trennt. Dennoch ist er ein Mensch der in mein Leben trat und meine Ansichten komplett veränderte und mir mit diesem Video wieder mal gezeigt hat das es Hoffnung gibt und man nicht alleine ist.

 

Egal welches Problem du hast… sei dir gesagt… Du bist nicht allein 🙂

 

Nun das Video. Mit freundlicher Erlaubnis und Unterstützung des Rappers DNS